Struktur

Wie und was wollen wir in Zukunft lernen?

Vor einigen Jahren begann Karsten Michael Drohsel, aus der Kritik an der eigenen Ausbildung zum Stadt- und Regionalplaner, mit dem Nachdenken über eine alternative Form der Wissensschaffung, –Bündelung und –Vermittlung. Vorerst als Konzept einer klassischen Akademie, einer Lehr- und Lernform in gehender Bewegung angedacht, wurden im informellen Thinktank „mikromakro“ verschiedene Konzepte diskutiert, die schlussendlich in dem Konzept der Mobilen Universität aufgingen.

Mit Hilfe einer Mobile Universität soll es möglich werden lokales Wissen aufzuspüren, Experten und Talente zu finden und diese in lokale v.a. stadtplanerische und städtebauliche Prozesse einzubinden. Der Lehr- und Lernbetrieb wird somit demokratisiert und partizipativ organisiert.

Die wichtigste Frage ist: „Was können wir von dir lernen – Was kannst du anderen beibringen?“

Die Veranstalter einer Mobilen Universität verpflichten sich lokal relevante Themen aufzugreifen, Akteure aufzuspüren und die Bevölkerung aktiv einzubinden. Das Lehrpersonal der Mobilen Univerität besteht somit aus den vielen lokalen Experten des Alltags, die vom Personal der Mobilen Universität lediglich verknüpft und entlang ihrer spezifischen Interessen unterstützt werden. Daraus ergeben sich die an der Mobilen Universität zu erwerbenden akademischen Titel: zum einen den des Katalysators (Kat.), der Prozesse in Gang bringt und Ergebnisse befördert, und den des Relais (Rel.), der Interessen und Talente verknüpft, die für den Prozess förderlich oder notwendig sind.

Ohne Fachwissen geht es nicht!

Um Fachwissen in den Prozess einzubringen wird ein Netzwerk an überörtlichen Experten aufgebaut, die bei besonderen Fragen angerufen werden können. Diese kommen dann entweder vor Ort oder werden über internetbasierte Technologien zugeschaltet bzw. eingeladen in einem digitalen Lernraum der Mobilen Universität dem Prozess beizuwohnen.

Die Ergebnisse werden auf einer Internetseite mit angeschlossenen Social Media Applikationen gesammelt und ausgewertet, wodurch ein stetig wachsender Wissens- und Erfahrungsspeicher entsteht. Obwohl mikromakro der überzeugung ist, dass dieses lokale Wissen nicht direkt übertragbar ist, können aus diesem Fundus wertvolle Erkenntnisse über Experten und prozessuale Werkzeuge ermittelt und angewendet werden.

Künstlerische Konzepte aus den Bereichen der Social Skulpture, der partizipativen Kunst, der Street Art, den Spaziergangswissenschaften und der Flanerie sollen helfen ein tieferes Verständnis und Bewusstsein über den öffentlichen und privaten Raum und seine Funktionsweisen aber auch Qualitäten und Möglichkeiten zu erlangen.

Der Idee eine Form geben

Als Kernelement der MUB wird ein multifunktionales Cargo-Bike genutzt, an das unterschiedliche Tools für Beteiligungsformate angedockt werden können. In der Transportbox, werden so beispielsweise Tische, Stühle und Schirme mitgeführt, um Menschen zum Aufenthalt und dann zur Mitwirkung anzuregen.

Zudem sind weitere Materialien wie Stifte, Papier, Klebeband, Kreidespray, etc. enthalten, die kreative Zugänge zu unterschiedlichen Projekten ermöglichen und über die Visualisierung Ideen Gestalt annehmen lassen. Ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bieten für jede ortsspezifische Situation und jedes Projekt das geeignete Setting: Treffpunkt, Arbeitsort, Freiluftkino, Stadtgalerie, Volksküche… Ihre Präsenz im Kiez macht neugierig und wird zum Anziehungspunkt.

Das Herzstück der Universität ist eine Werkbank, T-förmig ausklappbar, als Ort der Begegnung, Diskussion und Arbeit. Jeder Flügel kann einzeln montiert und auch vertikal als Schreibtafeln verwendet werden. Zwischen den Ständern gibt es die Möglichkeit eine Projektionsfläche zu spannen, um Bilder und Videos anzuzeigen. In der MUB Transportbox werden Hocker, Lautsprecher, Megaphone oder Sonnenschutz, sowie Werkzeuge und weitere Materialien wie Stifte, Klebeband, Kreide, etc. mitgeführt, die dazu dienen, den Anwohnern kreative Zugänge zu den unterschiedlichen Projekten zu ermöglichen. Mittels einer technischen Einheit (Internetsender) können Fotos, GPS-Tracks, Tweets, etc. jeweils ins Internet hochgeladen werden, so dass die Arbeitsprozesse über Google+ mitverfolgt und kommentiert werden können. Durch die Integration von digitalen und analogen Angeboten kann eine maximale Reichweite der Teilhabe erreicht werden und es ergeben sich neue Schnittstellen zwischen lokalen und internetbasierten Beteiligungsformaten.

Ideenskizze für die Funktionsweise der mobilen und variablen Einheiten.

Trotz seiner Autonomie, gehört es zum Wesen des MUB, sich mit der Umgebung zu verbinden, um sich räumlich und funktional zu erweitern. Die MUB ist dadurch auch eine mobile Plattform, die sich, je nach Außenbedingungen, verändern und editieren lässt.