Rückschau: Wikiscapes 01. Juli

Am 1. Juli war das Tagesthema der Mobilen Universität “DIY-Urbanismus”. Ziel war es den Teilnehmenden einen Einblick in Selbststrategien zu geben, wie die Alltags-Umwelt nach eigenen Wünschen und Ideen gestaltet werden kann.

Der gemeinsame Aufbau der MUB war ein schönes Ritual und hat in die Projektarbeit eingeführt.

Nach unserem Verständnis  ist der öffentliche Stadtraum ein Wikiscape, ein Raum, der als eine „Open Source“ gelesen werden kann, da er allen gehört die ihn nutzen und nutzen wollen. Er kann in diesem Sinne frei editiert und bespielt werden. Um zu zeigen, dass jeder Ort Potentiale besitzt, sollen Möglichkeitsfelder ergründet werden und pragmatische Vorschläge zur Gestaltung gefunden werden. Ideen werden über die Vermittlung von Wahrnehmungs- und Gestaltungstechniken gefunden und sichtbar gemacht.

In insgesamt fünf Phasen des Workshops wurden Methoden und Techniken vermittelt, die es jeder/m Teilnehmenden ermöglichten neue lokale Sichtweisen zu entwickeln und Verantwortung für die unmittelbare Lebensumwelt zu übernehmen.

Der Körper im Raum - mit allen Sinnen einen Ort erschließen.

Nach einem intensiven Sensing-Prozess, den alle Teilnehmenden schweigend und mit allen Sinnen aufmerksam durchliefen, wurden Orte festgelegt, die Potentiale besitzen oder einen temporären Eingriff dringend benötigen. Um dieses in die Tat umsetzen zu können wurden mehrere 2D-Editing-Strategien vorgestellt, die die Teilnehmenden direkt vor Ort zum Sichtbarmachen der Potentiale, der Ideen und Wünsche anwenden konnten. Auf diese Weise wurden die lokalen Potentiale abgebildet und visualisiert welche unterschiedlichen Ideen und Möglichkeiten existieren, aber auch auf Ähnlichkeiten und Konkurrenzen hingewiesen. Nach der Diskussion konnten die Teilnehmenden sich mit unterschiedlich farbigen Klebebändern ausrüsten und so die dritte Phase, das temporäre Einschreiben ihrer Ideen und Wünsche direkt vor Ort, begehen.

Eine Leiter zu einem Rückzugsort oder geschützten Schlafplatz.

Im Handumdrehen entstanden viele Nutzungsideen und -Vorschläge für den Ort, die teilweise sehr konkret mit Passanten und vorbeieilenden Anwohnern und Anwohnerinnen besprochen wurden. Das Feedback war durchweg positiv, da die Teilnehmenden den Ort im Sensing-Prozess relativ gut erfasst und die Mängel aber auch die Potentiale gut herausgearbeitet hatten.

In der darauf folgenden, letzten Phase wurde jede/r nochmal richtig gefordert: Da jeder reale Ort nur einfach existiert, müssen, wenn am Ende, wie z.B. in einem Planungsprozess üblich, ein begrenztes Spektrum an Alternativvorschlägen stehen soll, die vielen Ansprüche an diesen Ort, die Wünsche und Notwendigkeiten verhandelt werden. Es wurde also wichtig, für die eigenen Ideen Partei zu ergreifen, zu koalieren, zu revidieren, Kompromisse zu finden, schlicht die Argumente der anderen zu hören und die eigenen auf den Tisch der Mobilen Universität zu bringen. Darüber hinaus Begründungen für die eigenen Wünsche und Notwendigkeiten zu finden und die der anderen zu kommentieren.

Wünsche visualisieren und kommentieren, konstruktive Gestaltungsvorschläge machen...

Es wurde über sehr konkrete Maßnahmen diskutiert, wie einige der Ideen tatsächlich in Kooperation mit Stadt und Anreinern in die Tat umgesetzt werden könnten. Da der Raum vom Organisationsteam sehr weit gefasst wurde, verteilten sich die Teilnehmenden mit ihren konkreten Vorschlägen im gesamten Gebiet. Eine qualifizierte Aushandlung konnte dadurch am Ende nicht stattfinden, anstatt dessen wurden aber eine ganze Menge konkreter Vorschläge für bestimmte Ort ausgedacht, die in ihrer Gesamtheit friedlich koexistieren konnten.

Am Ende es wurde gemeinsam entschieden, dass die Vorschläge vor Ort bleiben sollten; so dass auch Passanten angeregt werden sich Fragen über den Ort und seine Potentiale stellen zu können. Darüber hinaus wurde über sehr konkrete Maßnahmen diskutiert, wie z.B. einige der Ideen tatsächlich in Kooperation mit Stadt und Anreinern in die Tat umgesetzt werden könnten. In der Folge bildete sich ein kleines Team an Interessierten, die über den Workshop hinaus in Kontakt bleiben und diesen Sommer vielleicht noch etwas bauen wollen. Wir werden berichten.

Es blieben auch Fragen offen...

Bildrechte: Paul Lange, Ines Aubert, Ruben Jodar und Karsten Michael Drohsel

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