Rückschau: Writings on the City 22. Juli

Die Stadt ist ein riesiges Buch, sie kann gelesen werden wie ein Text. Sie besteht aus Buchstaben, Satzzeichen, ja sogar ganzen Sätzen, die viele kleine Geschichten ergeben. Diese Geschichten laufen parallel und gleichzeitig ab, sie verbinden sich, nehmen Einfluss auf einander, überkreuzen oder schneiden sich, manche bleiben für immer im Verborgenen. Zusammengenommen ergeben sie aber eine große, gemeinsame Geschichte, die sich den Lesenden als “Berlin”, “Paris”, “Istanbul”, “Ragusa” oder “New York” präsentiert.

Über was sprechen wir, wenn wir Berlin und nicht Rom meinen?

Jede Stadt ist somit vor allem in und durch Erzählungen präsent. Manche Dinge passieren nur in einer bestimmten Stadt oder werden zumindest durch eine bestimmte Stadt repräsentiert. Das hat viel mit ihrer Geschichte zu tun, mit Menschen, die in den entsprechenden Städten gelebt und gewirkt haben, über diese erzählt und somit zu einem Stadt-Mythos beigetragen haben; diese Narrative haben jedoch auch eine Wirkung auf die Städte und das, was wir in ihnen suchen und finden wollen: in Paris käme sicher niemand auf die Idee die Melancholie zu suchen, in Buenos Aires oder Lissabon hingegen ist diese wahrscheinlich eher zu Hause usf.

Auch Berlin, mit dem rasanten Wandel den die Weltstadt der Geschwindigkeit gerade wieder einmal durchmacht, ist ein großes Buch mit vielen Kurzgeschichten, die entdeckt werden können. Hierbei kann eine flanierende Haltung eine Methode zur Entdeckung sein.

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Workshop WRITINGS ON THE CITY am 22. Juli

Am Sonntag findet unser letzter Workshop im Rahmen des BMW Guggenheim Lab teil, zu dem wir euch herzlich einladen wollen.

Begleitet uns beim finden und schreiben von Kurzgeschichten, die sich in der Stadt ereignen: Gemeinsam wollen wir zu erst das Spektrum unserer Sinne kennenlernen und die Technik des Flanierens lernen. In der Praxis wollen wir mit einer flanierenden Haltung den erweiterten Stadtraum um den Pfefferberg erkunden und beobachten was um uns herum passiert. Was sehen wir, was nehmen wir wahr? Welche Geschichten ereignen sich und wie lassen sich diese kombinieren oder weiterschreiben?

einfache geschichten beginnen einfach

 ”Flanieren ist eine Art Lektüre der Stadt”, meinte einst Franz Hessel als er Anfang des letzten Jahrhunderts in den Straßen Berlins flanierte. Der Flaneur ist der Leser der Stadt und die Stadt ist sein Bilder-Buch. In dem Workshop geben wir einen kurzen Überblick über das Flanieren in der Stadt und bereiten uns mit Sinnesübungen auf unseren eigenen flanierenden Streifzug rund um den Pfefferberg vor. Während wir flanieren, lesen wir im Vorübergehen die Alltagsgeschichten der Stadt, die wir sammeln, kombinieren und der Stadt am Ende wieder zurückgeben.

Der Workshop wird angeboten von Karsten Michael Drohsel (mikromakro/Urbanophil), Tina Saum (flanerie – labor für gedanken & gänge/Stuttgart) und Holger Jäckle (haekksel ind.). Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Los geht es 12 Uhr im BMW Guggenheim Lab im Pfefferberg; nach einer kurzen Einführung gehen wir gemeinsam zum Ort des Workshops.

Rückschau: Emotional Mapping 15. Juli

Wir bewegen uns in Städten viel zu oft routinemäßig. Der tägliche Weg zur Arbeit, die gleichen Geschäfte und die gleichen Treffpunkte. Und selten schauen wir zur Seite, nach oben oder halten einfach mal inne.

Genau dieses Ziel verfolgte der Workshop Emotional Mapping, bei die Teilnehmer eine Strecke begehen und begreifen sollten. Ein gemütliches Flanieren sollte die Wahrnehmung schulen und die Aufmerksamkeit auf die Besonderheiten des Ortes lenken.   Dabei wurden die Teilnehmer mit einem Smartband ausgerüstet, welches die psychophysiologischen Reaktionen misst und Rückschlüsse auf den emotionalen zutsand der Teilnehmer gibt (Für Interessierte gibt es eine einführende Präsentation und die  Diplomarbeit von B. Bergner).

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Workshop EMOTIONAL MAPPING am 15. Juli

Emotionen als wesentlicher Teil des städtischen Lebens

Städte sind mehr als ihre Bauwerke, Straßen und Plätze. Städte leben von den Menschen, ihren Gefühlen und ihren Wahrnehmungen. Denn die Interaktionen zwischen den Menschen und ihre Reaktionen auf die gebaute Umwelt prägen den Charakter einer Stadt. Man spricht von “Lebensgefühl” oder “googd vibes” und kann manchmal gar nicht genau beschreiben, was das Besondere an einem Ort ist. Emotionen sind dabei ein wichtiger Aspekt. Denn erst die Freude über ein schönes Bauwerk, das Glücksgefühl, einen besonders schönen Ort gefunden zu haben oder die Entspannung, die dem Betreten eines Platzes mit besonderer Atmosphäre folgt, machen Städte besonders.

Messen und Kartieren von Emotionen

Ziel des Workshops ist daher, den Emotionen und persönlichen Reaktionen der Teilnehmer nachzugehen, sie aufzuzeichnen und zu kartieren. Wir möchten gemeinsam herausfinden, wie sich die Teilnehmer am gleichen Ort fühlen. Gibt es Unterscheide in der Wahrnehmung? Gibt es Gemeinsamkeiten? Wo sind die Orte der Entspannung? Wo fühlt man sich gestresst? Gibt es “emotionale Orte”, die von den meisten Teilnehmern genannt werden? Und wenn ja, was ist der Grund?

In Kooperation mit dem Fachgebiet für Computergestütze Planungs- und Entwurfsmethoden (CPE) der TU Kaiserslautern, an dem seit mehreren Jahren in dieser Richtung geforscht wird, möchten wir diese Fragen auf zwei Wegen angehen:

1) Zum einen möchten wir im Gespräch mit den Teilnehmern und Passanten herausfinden, wo besondere Orte (ob positiv und negativ besetzt) sind. Diese werden auf gedruckten Karten eingetragen und können mit eigenen Meinungen ergänzt werden.

2) Zum anderen möchten wir einige Teilnehmer auf Erkundungs-Tour schicken und mit neuesten technischen Hilfsmitteln (wie GPS-Logger und Smartband) die psycho-physiologischen (“emotionalen”) Reaktionen der Teilnehmer erfassen. Diese Form der emotionalen Stadtkartierung oder auch Humansensorik lässt Erkenntnisse über die Wahrnehmung der Stadt zu. Die persönlichen Eindrücke auf der Entdeckungstour werden im Anschluss diskutiert und auf einer Karte festgehalten.

Ausstattung der Teilnehmer mit GPS-Logger und Smartband (Bild: S. Höffken)

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Los geht es Sonntags 12 Uhr im BMW Guggenheim Lab im Pfefferberg; nach einer Einführung gehen wir gemeinsam zum Ort des Workshops. Bitte bringen Sie einen Personalausweis als Pfand mit, wenn Sie an der Entdeckungs-Tour teilnehmen wollen.

Der Workshop wird angeboten von:

 

In Kooperation mit:

Dank für Inspiration geht an: http://emotionalcartography.net/

Rückschau: The Phantom 08. Juli

The Phantom in Berlin

Am letzten Sonntag wurde im Weddinger Brunnenviertel nach Spuren des Phantoms gesucht, das in unterschiedlichen Situationen beobachtet und selbst verkörpert werden konnte. Die TeilnehmerInnen haben sich dabei mit der Frage beschäftigt: “Was macht das Besondere dieses Viertels aus und wie stellt sich das für die Bewohner dar?” Im Beobachten und in Gesprächen mit den Anwohnern konnte für Alle spannende Einblicke in ein größtenteils unbekanntes Gebiet gewonnen werden.

Spurensuche im Brunnenviertel

Neben den Ergebnissen der Gruppe wurden zudem einige Hinweise auf das Phantom an Passanten und Anwohner verteilt. Es lohnt sich also, in nächster Zeit selbst einmal auf die Suche zu gehen und die eigenen Erkenntnisse und Fundstücke auf dieser Website oder auf der Facebook-Seite des “Urban Phantom” zu dokumentieren.

Eines der vielen Fundstücke

Mobile Universität begleitet Mission U Process in Berlin

Letzte Woche war die Mobile Universität Case-Holder im Mission U Process in Berlin. Mission U ist eine global agierende Initiative, die zum Ziel hat junge Studierende und Social Entrepreneurs zusammenzubringen, zu vernetzen und gemeinsam an konkreten Aufgaben den Theory U Prozess in der Praxis zu testen. Die zugrundeliegende Theorie wurde von Professor Otto Scharmer am MIT in Boston als eine Methode zur Analyse und Entwicklung komplexer sozio-ökonomischer Systeme entwickelt.

Die Arbeitsweise folgt einem rahmengebenden Prozess, der über verschiedene Stufen des Analysierens von Arbeitsabläufen und Informationsflüssen, über mehrere Reflektionszyklen und anschließendem Prototyping zu einem visionären Output führen soll. In diesem Sinne arbeiteten die Studierenden an der Idee einer Universität, die in einem Rucksack mitgeführt werden kann und die Funtionen der MUB in einem noch mobileren Objekt beherbergt.

Arbeitsgruppe "Backpack-University" v.l.n.r.: Lyra, Fumi, Raphael, Liza, Filippa, Kim

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Rückschau: Kinder- und Jugenduni Wikiscapes 05. Juli

In der Folge des Wikiscapes-Workshop am 1. Juli wurden wir gebeten ein Wikiscapes-Format für Kinder und Jugendliche zu erarbeiten. Der Workshop fand im Kinderprogramm des BMW Guggenheim Labs statt und beschäftigte sich mit Fragen zum Öffentlichen Raum rund um den Pfefferberg.

Ein Teil der Teilnehmenden bei der Diskussion

Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern machten die Jugendlichen einen Sensing-Prozess mit, innerhalb dessen sie den Ort und die lokalen Potentiale, aber auch die unschönen Ecken thematisierten. Relativ schnell wurde deutlich, dass die stinkenden Autos und Müllecken aus dem Quartier verschwinden und zu Gunsten von Grünflächen weichen sollen. Alternative Nutzungen sollen dann möglich werden, die die Jugendlichen als Entdeckungs- und Rückzugsorte nutzen würden.

Ein Herz für Fußgänger, die stinken nicht (zumindest meistens).

Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten war die Stunde dann doch zu schnell vorbei, aber sicher wird der eine oder die andere die neu gewonnen Wahrnehmungen im Alltag noch oft gebrauchen können.

Rückschau: Wikiscapes 01. Juli

Am 1. Juli war das Tagesthema der Mobilen Universität “DIY-Urbanismus”. Ziel war es den Teilnehmenden einen Einblick in Selbststrategien zu geben, wie die Alltags-Umwelt nach eigenen Wünschen und Ideen gestaltet werden kann.

Der gemeinsame Aufbau der MUB war ein schönes Ritual und hat in die Projektarbeit eingeführt.

Nach unserem Verständnis  ist der öffentliche Stadtraum ein Wikiscape, ein Raum, der als eine „Open Source“ gelesen werden kann, da er allen gehört die ihn nutzen und nutzen wollen. Er kann in diesem Sinne frei editiert und bespielt werden. Um zu zeigen, dass jeder Ort Potentiale besitzt, sollen Möglichkeitsfelder ergründet werden und pragmatische Vorschläge zur Gestaltung gefunden werden. Ideen werden über die Vermittlung von Wahrnehmungs- und Gestaltungstechniken gefunden und sichtbar gemacht.

In insgesamt fünf Phasen des Workshops wurden Methoden und Techniken vermittelt, die es jeder/m Teilnehmenden ermöglichten neue lokale Sichtweisen zu entwickeln und Verantwortung für die unmittelbare Lebensumwelt zu übernehmen.

Der Körper im Raum - mit allen Sinnen einen Ort erschließen.

Nach einem intensiven Sensing-Prozess, den alle Teilnehmenden schweigend und mit allen Sinnen aufmerksam durchliefen, wurden Orte festgelegt, die Potentiale besitzen oder einen temporären Eingriff dringend benötigen. Um dieses in die Tat umsetzen zu können wurden mehrere 2D-Editing-Strategien vorgestellt, die die Teilnehmenden direkt vor Ort zum Sichtbarmachen der Potentiale, der Ideen und Wünsche anwenden konnten. Auf diese Weise wurden die lokalen Potentiale abgebildet und visualisiert welche unterschiedlichen Ideen und Möglichkeiten existieren, aber auch auf Ähnlichkeiten und Konkurrenzen hingewiesen. Nach der Diskussion konnten die Teilnehmenden sich mit unterschiedlich farbigen Klebebändern ausrüsten und so die dritte Phase, das temporäre Einschreiben ihrer Ideen und Wünsche direkt vor Ort, begehen.

Eine Leiter zu einem Rückzugsort oder geschützten Schlafplatz.

Im Handumdrehen entstanden viele Nutzungsideen und -Vorschläge für den Ort, die teilweise sehr konkret mit Passanten und vorbeieilenden Anwohnern und Anwohnerinnen besprochen wurden. Das Feedback war durchweg positiv, da die Teilnehmenden den Ort im Sensing-Prozess relativ gut erfasst und die Mängel aber auch die Potentiale gut herausgearbeitet hatten.

In der darauf folgenden, letzten Phase wurde jede/r nochmal richtig gefordert: Da jeder reale Ort nur einfach existiert, müssen, wenn am Ende, wie z.B. in einem Planungsprozess üblich, ein begrenztes Spektrum an Alternativvorschlägen stehen soll, die vielen Ansprüche an diesen Ort, die Wünsche und Notwendigkeiten verhandelt werden. Es wurde also wichtig, für die eigenen Ideen Partei zu ergreifen, zu koalieren, zu revidieren, Kompromisse zu finden, schlicht die Argumente der anderen zu hören und die eigenen auf den Tisch der Mobilen Universität zu bringen. Darüber hinaus Begründungen für die eigenen Wünsche und Notwendigkeiten zu finden und die der anderen zu kommentieren.

Wünsche visualisieren und kommentieren, konstruktive Gestaltungsvorschläge machen...

Es wurde über sehr konkrete Maßnahmen diskutiert, wie einige der Ideen tatsächlich in Kooperation mit Stadt und Anreinern in die Tat umgesetzt werden könnten. Da der Raum vom Organisationsteam sehr weit gefasst wurde, verteilten sich die Teilnehmenden mit ihren konkreten Vorschlägen im gesamten Gebiet. Eine qualifizierte Aushandlung konnte dadurch am Ende nicht stattfinden, anstatt dessen wurden aber eine ganze Menge konkreter Vorschläge für bestimmte Ort ausgedacht, die in ihrer Gesamtheit friedlich koexistieren konnten.

Am Ende es wurde gemeinsam entschieden, dass die Vorschläge vor Ort bleiben sollten; so dass auch Passanten angeregt werden sich Fragen über den Ort und seine Potentiale stellen zu können. Darüber hinaus wurde über sehr konkrete Maßnahmen diskutiert, wie z.B. einige der Ideen tatsächlich in Kooperation mit Stadt und Anreinern in die Tat umgesetzt werden könnten. In der Folge bildete sich ein kleines Team an Interessierten, die über den Workshop hinaus in Kontakt bleiben und diesen Sommer vielleicht noch etwas bauen wollen. Wir werden berichten.

Es blieben auch Fragen offen...

Bildrechte: Paul Lange, Ines Aubert, Ruben Jodar und Karsten Michael Drohsel

Workshop THE PHANTOM am 08. Juli

In der zeitgenössischen Stadt überlagern sich diverse Formen der Kommunikation in unterschiedlicher Art und Weise. War früher der Kontakt zu Nachbarn, Freunden und Bekannten noch durch persönliches Gespräch geprägt, werden diese Kontakte nun durch digitale Kontakte überlagert. Kommunikation untereinander und Wahrnehmung der Anderen wird gleichsam virtueller und verbindet sich auf neue Weise in lokalen Situationen.

Im Workshop “The Phantom” soll diese Beobachtung aufgegriffen werden, indem sich die Teilnehmer auf die Suche nach solchen digitalen und analogen (Kommunikations-)Spuren machen. Das Phantomist dabei die verbindende “Person”, die alle Teilnehmer kennenlernen werden und sich in einem bestimmten Stadtraum die Fragen stellen: “Wer ist das?” und “Wie sieht seine/ihre Lebensumwelt aus?”. Wir wollen uns gemeinsam auf die Suche machen, welche lokalen und überregionalen Zusammenhänge bereits durch das Phantom geschaffen wurden und am Ende des Workshops sogar eigene Beiträge zu seiner/ihrer Geschichte erschaffen.

Der Workshop beginnt um 12 Uhr im BMW Guggenheim Lab; nach einer kurzen Einführung werden wir dann gemeinsam zum Ort des Workshops gehen. Durchführende sind Tobias Meier (Urbanophil) und Klementyna Świeżewska. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!